Wer kontrolliert die Wirklichkeitsproduktion?
Wenn aus Nachrichten Fronten werden
Kurznews: Am 16. Dezember 2025 meldeten Reuters und AP, dass Donald Trump die BBC auf 10 Milliarden US-Dollar verklagt. Anlass ist eine Panorama-Doku; Trump wirft der BBC eine irreführende Montage seiner Rede vom 6. Januar 2021 vor. Die BBC sprach von einem „error of judgment“ und will sich juristisch verteidigen.
Welche Fragen müssen wir uns bei der aktuellen Kriegsberichterstattung stellen?
Wie „real“ ist das, was wir sehen – und wie viel ist bereits inszenierte Wirklichkeit? Wer setzt die Deutungsrahmen: Begriffe, Bilder, Opferzahlen, Schuldzuweisungen, „rote Linien“? Welche Perspektiven kommen vor – welche verschwinden? Und wessen Interessen werden dadurch gestärkt, lange bevor wir es merken?
Der Fall „Trump vs. BBC“ ist dafür nur ein Beispiel: Er zeigt, dass Deutung nicht erst im Kommentar entsteht, sondern bereits in der Bearbeitung. Der Schnitt ist nicht bloß Technik. Er ist Entscheidung. Und Entscheidungen formen Wirklichkeit.
Paul und Nietzsche
Paul: Friedrich, wenn ich die aktuelle Kriegsberichterstattung sehe, frage ich mich: Wie viel davon ist Beschreibung – und wie viel ist bereits Deutung?
Nietzsche: Beschreibung ist ein Mythos, Paul. Es gibt nur Perspektive. Die Frage ist nicht, ob gedeutet wird, sondern werdeutet und wessen Deutung sich durchsetzt.
Paul: Dann kämpfen in Kriegen nicht nur Armeen, sondern auch Erzählungen.
Nietzsche: Immer. Die Schlacht um das Gelände ist sichtbar. Die Schlacht um die Bedeutung entscheidet länger. Wer die Worte kontrolliert, kontrolliert, was denkbar ist.
Paul: Und wir halten das, was wir sehen, für Wirklichkeit.
Nietzsche: Weil Bilder Gehorsam verlangen. Sie umgehen den Zweifel. Ein Bild sagt nicht: „Denke.“ Es sagt: „Fühle.“ Und Gefühl ist schneller als Urteil.
Paul: Was bleibt uns dann?
Nietzsche: Langsamkeit. Misstrauen gegen Eindeutigkeit. Die Bereitschaft, Lücken zu sehen: das, was fehlt, sagt oft mehr als das, was gesendet wird.
Paul: Also nicht sofort Position beziehen?
Nietzsche: Positionen sind bequem. Denken ist anstrengend. Wer Wirklichkeit prüfen will, muss den Mut haben, zwischen den Lagern zu stehen.
Paul: Dann ist der kritischste Akt heute kein Protest, sondern ein Innehalten.
Nietzsche: Genau. Denn wer die Deutung nicht sofort übernimmt, entzieht ihr Macht.
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Kommentare
es ist im Grossen wie Kleinen so, es scheint verschiedene Wahrheiten zu geben, die unterschiedlichen Sichtweisen geprägt durch Lebenswege und die Hindernisse darauf, Ist es nicht entscheidend sich auf Augenhöhe mit Respekt und Achtung zu begegnen, und die gegensitigen Interessen zu respektieren und gezogene rote Linien zu beachten und zu respektieren?? Dann kann eine Wahrheit entstehen die nicht der Sieger schreibt
ich hoffe; daß sich Vernunft und gesunder Menschenverstand durchsetzt......