Friedensprotokolle

Willkommen auf unserem Blog, einem Raum für Gedanken und Analysen abseits des Mainstreams. Hier beleuchten wir die stillen Rüstungen Europas und das Leid in Konfliktregionen. Begleiten Sie uns auf einer Reise jenseits der Schlagzeilen, auf der wir den Irrsinn der Kriegsvorbereitung entlarven und nach Wegen des Friedens suchen.

Friedensprotokolle 

Hier finden Sie aktuelle Friedensprotokolle zu den Ereignissen rund um Krieg und Frieden,

ein fiktiver philosophischer Dialog zwischen Arzt und Nietzsche,

Nietzsche im Alltag – „Friedenspläne ohne Frieden“

Kriegs-Meldungen des Tages 27.11.25

Aus den aktuellen Berichten zum Ukraine-Krieg ergibt sich grob folgendes Bild:

  • Moskau:
    Die russische Führung signalisiert grundsätzlich Gesprächsbereitschaft, knüpft diese aber an harte Bedingungen: Anerkennung der bereits besetzten Gebiete, Abzug ukrainischer Truppen aus weiteren Regionen, Sicherheitsgarantien für Russland. Die Botschaft: Verhandlungen ja – aber nur auf Basis eines faktischen russischen Gebietszuwachses.

  • Kiew und westliche Hauptstädte:
    Die ukrainische Regierung lehnt Gebietsabtretungen ab und fordert langfristige Sicherheitsgarantien und massive Militärhilfe. In Berlin und anderen europäischen Hauptstädten ist von „Standfestigkeit“, „Kriegsfähigkeit“ und „dauerhafter militärischer Unterstützung“ die Rede. Das Wort „Frieden“ kommt meist nur als Etikett vor – im Vordergrund steht die Forderung, dass die Ukraine auf Dauer eine große, schlagkräftige Armee behalten müsse.

  • Washington und Brüssel:
    Es kursieren verschiedene Papierentwürfe für einen möglichen „Friedensplan“ oder eine „Konferenz“, doch fast alle sind an Bedingungen geknüpft, die die eigene Machtposition absichern sollen. Von echter Abrüstung oder einer Abkehr von der militärischen Logik ist kaum die Rede.

Kurz gesagt:
Alle benutzen das Wort „Frieden“, aber fast alle reden in erster Linie über Truppenstärken, Waffenlieferungen und rote Linien.

Szene

Früher Morgen in der Praxis.

Der PC summt, die Kaffeemaschine knackt, draußen ist es noch halbdunkel.
Paul scrollt durch die Nachrichten:

„Russland signalisiert Gesprächsbereitschaft – unter Bedingungen.“
„Regierung in Berlin: Ukraine muss kriegsfähig bleiben.“
„Westliche Staaten diskutieren über Sicherheitsgarantien und weitere Waffenpakete.“

Er liest diese Sätze, und es fällt ihm auf:
Das Wort „Frieden“ taucht auf –
aber niemand spricht davon, wie man aus der Logik des Krieges überhaupt herauskommen will.

Er lehnt sich im Stuhl zurück.
In diesem Moment sitzt Nietzsche schon auf dem Stuhl gegenüber,
Mantel offen, Hände ineinandergelegt,
als würde er einem etwas zu nüchternen Therapieplan zuhören.


 Dialog – „Friedensplan als Fortsetzung des Krieges“

Paul:
Friedrich, ich habe das Gefühl, hier wird ein Wort missbraucht.
Überall steht „Friedensplan“, „Konferenz“, „historische Chance“.

Aber wenn ich genauer lese,
geht es fast nur darum,
wer was behalten darf,
wer wie viele Soldaten haben soll,
welche Seite als Sieger dasteht.

Der Kanzler hier redet nicht von Frieden –
er redet von Durchhalten, Aufrüstung, Kriegsfähigkeit.
Für mich ist er damit Teil des Problems, nicht der Lösung.

Nietzsche:
Du siehst richtig.

Was man dir als „Friedensplan“ verkauft,
ist häufig nur ein neuer Bauplan
für denselben alten Bau:
Blockkonfrontation, Abschreckung, Machtgleichgewicht.

„Frieden“ ist dann ein Etikett,
keine neue Denkweise.

Paul:
Ich lese:
– keine Gebietsabtretungen,
– keine Schwächung der Armee,
– mehr Waffen,
– mehr Geld für Abschreckung.

Und gleichzeitig:
„Wir wollen Frieden.“

Das ist, als würde ich einem Patienten mit schwerer Entzündung sagen:
„Wir wollen Heilung –
aber wir müssen den Reiz unbedingt beibehalten,
am besten sogar verstärken.“

Nietzsche:
Schönes Bild aus deiner Praxis.

Die Logik der Herrschenden lautet:

„Wir beenden diesen Krieg so,
dass wir beim nächsten besser dastehen.“

Das ist kein Frieden,
sondern strategische Pause.

Paul:
Und es wird so getan,
als sei jede Infragestellung dieser Linie naiv oder gefährlich:
Wer Abrüstung, neutrale Zonen oder echte Entmilitarisierung ins Spiel bringt,
gilt schnell als weltfremd oder „auf der falschen Seite“.

Nietzsche:
Weil dein Zeitalter Krieg als Normalzustand akzeptiert hat.

Er heißt nur anders:
„Sicherheitsarchitektur“, „Verteidigungsbereitschaft“, „Abschreckung“.

Das ist, als würde man sagen:
„Wir leben in einem Brandhaus,
aber die Flammen sind gut gemanagt –
also ist alles in Ordnung.“

Paul:
Was mich wütend macht:
Niemand in Regierungsverantwortung hier sagt offen:
„Wir haben auch unseren Anteil daran,
dass es so weit gekommen ist –
und wir sind bereit, an unserer Rolle etwas zu ändern.“

Stattdessen:
„Die anderen sind das Problem,
wir sind die Antwort.“

Nietzsche:
Selbstkritik ist selten Teil der Staatsräson.
Aber sie ist Voraussetzung für echten Frieden.

Solange jede Seite nur ruft:
„Der andere muss sich ändern,
damit Frieden möglich ist“,
bleibt alles beim Alten.

Paul:
Also bleibt mir nur,
mich innerlich von dieser Art „Friedenssprache“ zu distanzieren.

Ich kann sagen:
Ja, ein Waffenstillstand wäre ein Fortschritt.
Ja, weniger Beschuss wäre ein Fortschritt.

Aber ich lasse mir nicht einreden,
dass ein eingefrorener Konflikt mit Daueraufrüstung
schon Frieden ist.

Nietzsche:
Das ist bereits ein klarer Standpunkt.

Du könntest es so formulieren:

„Für mich beginnt Frieden erst dort,
wo die Bereitschaft wächst,
weniger auf militärische Stärke zu setzen –
nicht dort, wo man sie nur neu verteilt.“

Alles andere mag politisch notwendig genannt werden,
aber nenn es nicht Frieden.

Paul (nickt):
Dann ist mein Satz des Tages vielleicht:
„Ich verwechsele nicht mehr:
Vertrag mit Frieden,
Waffenpause mit Heilung,
Aufrüstung mit Sicherheit.“

Nietzsche:
Damit bist du im Denken weiter
als viele, die an den Konferenztischen sitzen.

Vielleicht kannst du diesen Unterschied
in deiner Praxis, in deinen Gesprächen,
in deinem Schreiben lebendig halten.


4. Friedenssatz des Tages

„Ich nenne nur das Frieden, was die Logik des Krieges schwächt – nicht, was sie verwaltet.“


5. Kleine Friedenspraxis – „Mein Maßstab für Frieden“

  1. Kurz innehalten – sitzen oder stehen, Füße bewusst auf dem Boden.

  2. Einen aktuellen Satz aus den Nachrichten innerlich zitieren, z. B.:
    „Die Regierung arbeitet an einem Friedensplan.“

  3. Dann dir selbst leise die Frage stellen:
    „Meinen die Frieden – oder nur eine neue Form von Kontrolle und Aufrüstung?“

  4. Einen tiefen Atemzug nehmen, beim Ausatmen denken:
    „Ich darf einen anderen Maßstab für Frieden haben als die Regierenden.“

  5. Am Ende einen konkreten Satz finden, der für dich heute gilt, z. B.:
    „Ich unterstütze Frieden nicht durch Parolen,
    sondern durch klare Distanz zur Logik des Krieges – auch im Denken.“

Nietzsche im Alltag

Nietzsche im Alltag – Zahlen ohne Lagerdenken  24.11.25
Autor: Paul Schulze


1. Kriegs-Meldungen des Tages

Aus den heutigen Agenturberichten ergibt sich in etwa folgendes Bild:

In der Ukraine wird von neuen zivilen Opfern berichtet:
In der Westukraine (Ternopil) sprechen ukrainische Stellen von Dutzenden Toten und vielen Verletzten nach einem Raketenangriff auf ein Wohnhaus. Internationale Agenturen greifen diese Angaben auf und ordnen sie als einen der schwersten Angriffe auf zivile Ziele in diesem Jahr ein.

Gleichzeitig melden russische Behörden zivile Opfer durch ukrainische Angriffe auf russische Grenz- und Frontregionen, mit dem Hinweis, dass regelmäßig Menschen in diesen Gebieten getötet oder verletzt werden.

Gemeinsam ist allen Meldungen:
Sie berichten von zivilen Opfern auf beiden Seiten der Front, jeweils aus der eigenen Perspektive, jeweils zur Begründung der eigenen Bedrohungslage.


2. Szene

Früher Morgen in der Praxis.
Der Computer läuft, der erste Patient ist noch nicht da.

Auf dem Bildschirm: eine Nachrichtenseite. Im Text wird unterschieden nach „ukrainischen Angaben“, „russischen Angaben“, „westlichen Agenturen“ – am Ende aber steht in beiden Fällen dasselbe Wort: „zivile Opfer“.

Paul scrollt langsam nach unten, dann wieder nach oben.
Er merkt, wie ihn nicht eine einzelne Zahl schockiert, sondern dieses Gefühl von Dauer – als wäre das inzwischen bloß der „übliche Stand der Dinge“.

Er atmet aus, lehnt sich zurück.
Auf dem Stuhl gegenüber sitzt Nietzsche – nicht kämpferisch, eher aufmerksam, wie jemand, der schon weiß, dass die eigentliche Frage noch nicht gestellt ist.


3. Dialog – „Zahlen ohne Fahne“

Paul:
Friedrich, wenn ich das so lese, ist es fast egal, welche Agentur zitiert wird:
hier zivile Opfer in der Ukraine, dort zivile Opfer in russischen Grenzregionen.

Die Formulierungen unterscheiden sich, aber das Muster ist gleich:
„Unsere Menschen sterben – also ist unsere Seite im Recht.“

Nietzsche:
Der Krieg erzählt sich selbst immer mit demselben Vokabular: Bedrohung, Notwehr, Vergeltung.

Die Agenturen wechseln, die Grammatik bleibt.

Paul:
Und ich merke, wie leicht man hineingezogen wird.
Wenn ich nur die westlichen Meldungen lese, sehe ich vor allem russische Aggression.
Wenn ich nur russische Quellen lese, sehe ich vor allem ukrainische Angriffe.

Nimmst du beides zusammen, bleibt:
Auf beiden Seiten trifft Gewalt Menschen, die keine Generäle sind.

Nietzsche:
Genau das ist der Punkt, an dem ein friedensfähiger Blick entsteht:

Du erkennst:
„Die Lager sind verschieden, die Logik des Tötens ist dieselbe.“

Ohne zu verharmlosen, wer angefangen hat, ohne Täter und Strukturen zu verwischen –
aber auch ohne dein Mitgefühl an eine Fahne zu binden.

Paul:
Ich will genau das: Ich will Ukraine, Russland, Westen kritisieren können, ohne in eins der Lager hineinzurutschen.

Ich will sehen, dass Korruption, Machtinteressen, Propaganda auf allen Seiten existieren –
und trotzdem sagen: Jedes zivile Opfer ist eines zu viel, egal auf welchem Gebiet es liegt.

Nietzsche:
Dann ist es wichtig, dass du dich nicht von der Bildsprache in eine Richtung schieben lässt.

Man wird dir immer die stärksten Motive zeigen: explosive Schlagzeilen, dramatische Fotoausschnitte, symbolische Orte.

Ein freier Geist fragt:
„Was ist die Struktur dahinter, jenseits der Kulisse?“

Paul:
Also analytisch bleiben, ohne kalt zu werden.

Fakten sehen: Rakete hier, Artillerie da, Entscheidungen in Hauptstädten, Opfer in Dörfern und Städten.

Aber nicht mehr dieses Spiel:
„Unsere Zivilisten zählen, die anderen sind Kollateralschaden.“

Nietzsche:
Das könnte dein innerer Schwur sein:

„Ich lasse mir nicht vorschreiben, wessen Leid ich ernst nehmen darf – und ich lasse mir mein Mitgefühl nicht als Waffe aus der Hand nehmen.“

Damit nimmst du weder Russland noch der Ukraine noch dem Westen ihre Verantwortung ab –
aber du verweigerst, dass dein Herz Teil der Kriegslogik wird.

Paul (leise):
Dann ist mein heutiger Satz vielleicht:
„Ich nehme zivile Opfer beider Seiten zur Kenntnis, ohne daraus Munition für ein Lieblingslager zu machen.“

Nietzsche:
Das ist eine nüchterne, aber sehr entschiedene Form von Frieden im Denken.


4. Friedenssatz des Tages

„Ich nehme zivile Opfer auf allen Seiten ernst – ohne sie zur Munition für mein Lager zu machen.“


5. Kleine Friedenspraxis – „Fakten rein, Fan-Filter raus“

  1. Hinstellen oder hinsetzen, Füße bewusst spüren.

  2. Innerlich zwei Sätze sprechen:
    – „Es gibt zivile Opfer in der Ukraine.“
    – „Es gibt zivile Opfer in russischen Regionen.“
    Nur sachlich, ohne Kommentar.

  3. Dann leise hinzufügen:
    „Ich muss kein Fan eines Kriegs-Lagers werden, um jedes Leid ernst zu nehmen.“

  4. Drei ruhige Atemzüge: ein durch die Nase, länger aus durch den Mund.
    Beim Ausatmen: „Mein Nervensystem lässt sich nicht zum Schlachtfeld machen.“

  5. Zum Schluss einen Punkt im Raum anschauen (Tasse, Fensterrahmen, Stuhl) und kurz spüren:
    „Ich bin hier, jetzt, lebendig – und ich darf klar sehen, ohne mich vereinnahmen zu lassen.“

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Friedensprotokoll, 23.11.25

„Nietzsche im Alltag“ – Folge: Zahlen ohne Lagerdenken


Kriegs-Meldungen des Tages – 23.11.25

Aus den heutigen Agenturberichten ergibt sich in etwa folgendes Bild:

  • In der Ukraine wird von neuen zivilen Opfern berichtet:
    – In der Westukraine (Ternopil) sprechen ukrainische Stellen von Dutzenden Toten und vielen Verletzten nach einem Raketenangriff auf ein Wohnhaus.
    – Internationale Agenturen greifen diese Angaben auf und ordnen sie als einen der schwersten Angriffe auf zivile Ziele in diesem Jahr ein.

  • Gleichzeitig melden russische Behörden
    – zivile Opfer durch ukrainische Angriffe auf russische Grenz- und Frontregionen,
    – mit dem Hinweis, dass regelmäßig Menschen in diesen Gebieten getötet oder verletzt werden.

Gemeinsam ist allen Meldungen:
Sie berichten von zivilen Opfern auf beiden Seiten der Front, jeweils aus der eigenen Perspektive, jeweils zur Begründung der eigenen Bedrohungslage.


2. Szene

Früher Morgen in der Praxis.
Der Computer läuft, der erste Patient ist noch nicht da.

Auf dem Bildschirm: eine Nachrichtenseite.
Im Text wird unterschieden nach „ukrainischen Angaben“, „russischen Angaben“, „westlichen Agenturen“ – am Ende aber steht in beiden Fällen dasselbe Wort:
„Zivile Opfer“.

Paul scrollt langsam nach unten, dann wieder nach oben.
Er merkt, wie ihn nicht eine Zahl schockiert,
sondern dieses Gefühl von Dauer –
als wäre das inzwischen bloß der „übliche Stand der Dinge“.

Er atmet aus, lehnt sich zurück.
Auf dem Stuhl gegenüber sitzt Nietzsche –
nicht kämpferisch, eher aufmerksam, wie jemand, der schon weiß, dass die eigentliche Frage noch nicht gestellt ist.


3. Dialog – „Zahlen ohne Fahne“

Paul:
Friedrich, wenn ich das so lese,
ist es fast egal, welche Agentur zitiert wird:
hier zivile Opfer in der Ukraine,
dort zivile Opfer in russischen Grenzregionen.

Die Formulierungen unterscheiden sich,
aber das Muster ist gleich:

„Unsere Menschen sterben –
also ist unsere Seite im Recht.“

Nietzsche:
Der Krieg erzählt sich selbst
immer mit demselben Vokabular:
Bedrohung, Notwehr, Vergeltung.

Die Agenturen wechseln,
die Grammatik bleibt.

Paul:
Und ich merke, wie leicht man hineingezogen wird.
Wenn ich nur die westlichen Meldungen lese,
sehe ich vor allem russische Aggression.
Wenn ich nur russische Quellen lese,
sehe ich vor allem ukrainische Angriffe.

Nimmst du beides zusammen,
bleibt:
Auf beiden Seiten trifft Gewalt Menschen,
die keine Generäle sind.

Nietzsche:
Genau das ist der Punkt,
an dem ein friedensfähiger Blick entsteht:

Du erkennst:

„Die Lager sind verschieden,
die Logik des Tötens ist dieselbe.“

Ohne zu verharmlosen, wer angefangen hat,
ohne Täter und Strukturen zu verwischen –
aber auch ohne dein Mitgefühl an eine Fahne zu binden.

Paul:
Ich will genau das:
Ich will Ukraine, Russland, Westen kritisieren können,
ohne in eins der Lager hineinzurutschen.

Ich will sehen,
dass Korruption, Machtinteressen, Propaganda auf allen Seiten existieren –
und trotzdem sagen:
Jedes zivile Opfer ist eines zu viel,
egal auf welchem Gebiet es liegt.

Nietzsche:
Dann ist es wichtig,
dass du dich nicht von der Rhetorik der Bilder
in eine Richtung schieben lässt.

Man wird dir immer zeigen,
was deine Emotionen maximal triggert:
hier Kinder, dort Tiere,
dort zerstörte Kirchen,
hier gefallene Helden.

Ein freier Geist fragt:

„Was ist die Struktur dahinter,
jenseits der Kulisse?“

Paul:
Also analytisch bleiben,
ohne kalt zu werden.

Fakten sehen:
Rakete hier, Artillerie da,
Entscheidungen in Hauptstädten,
Opfer in Dörfern und Städten.

Aber nicht mehr dieses Spiel:
„Unsere Zivilisten zählen,
die anderen sind Kollateralschaden.“

Nietzsche:
Das könnte dein innerer Schwur sein:

„Ich lasse mir nicht vorschreiben,
wessen Leid ich ernst nehmen darf –
und ich lasse mir mein Mitgefühl
nicht als Waffe aus der Hand nehmen.“

Damit nimmst du weder Russland noch der Ukraine
noch dem Westen ihre Verantwortung ab –
aber du verweigerst,
dass dein Herz Teil der Kriegslogik wird.

Paul (leise):
Dann ist mein heutiger Satz vielleicht:
„Ich nehme zivile Opfer beider Seiten zur Kenntnis,
ohne daraus Munition für ein Lieblingslager zu machen.“

Nietzsche:
Das ist eine nüchterne,
aber sehr entschiedene Form von Frieden im Denken.


4. Friedenssatz der Folge

„Ich nehme zivile Opfer auf allen Seiten ernst – ohne sie zur Munition für mein Lager zu machen.“


5. Kleine Friedenspraxis (1 Minute) – „Fakten rein, Fan-Filter raus“

  1. Hinstellen oder hinsetzen
    – Füße bewusst spüren,
    – Schultern einmal hochziehen und fallen lassen.

  2. Gedankenschritt 1 – Anerkennen
    Leise, innerlich:

    „Es gibt zivile Opfer in der Ukraine.“
    „Es gibt zivile Opfer in russischen Regionen.“

    Nur diese beiden Sätze.
    Kein Kommentar.

  3. Gedankenschritt 2 – Entkoppeln
    Dann:

    „Ich muss kein Fan eines Kriegs-Lagers werden,
    um jedes Leid ernst zu nehmen.“

  4. Drei Atemzüge
    Ein durch die Nase,
    länger aus durch den Mund.
    Beim Ausatmen innerlich:

    „Mein Nervensystem lässt sich nicht zum Schlachtfeld machen.“

  5. Rückkehr
    Blick kurz durch den Raum,
    irgendeinen realen Gegenstand fixieren (Tasse, Fensterrahmen, Stuhl).
    Spüren:
    Ich bin hier, jetzt, lebendig –
    und ich darf klar sehen, ohne mich vereinnahmen zu lassen.


 

Begleiten Sie uns, während wir gemeinsam wachsen und erfolgreich sind. Wir freuen uns, dass Sie hier sind, um Teil unserer Geschichte zu sein.

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Nietzsche im Alltag – Friedensprotokoll, 21.11.25

Die stille Rüstung Europas und das verletzte Kind in Gaza. Einblicke und Analysen für politisch Interessierte, die dem Mainstream misstrauen. Begleiten Sie uns auf der Suche nach Frieden und der Aufdeckung von Kriegstreiberei.

II. Gespräch zwischen Paul und Nietzsche

"Wie man den Krieg hübsch verpackt"

Paul:
Heute habe ich zwei Bilder im Kopf, die nicht zusammenpassen wollen.
Das eine: das Baby aus Gaza, von dem UNICEF berichtet, gestorben während eines „Waffenstillstands“.
Das andere: PDF-Seiten aus Brüssel und Berlin, auf denen fein säuberlich steht, wie wir bis 2035 auf 5 % BIP für Verteidigung kommen.
Zwischen diesen beiden Bildern spannt sich für mich der „Irrsinn der Kriegsvorbereitung“ auf.

Nietzsche:
Du siehst die Front und die Buchhaltung derselben Katastrophe.
Das tote Kind ist die nackte Wahrheit des Krieges.
Die Budgetzahlen sind die höfliche Maske des Krieges.
Man sagt dir:
„Wir rüsten auf, um den Frieden zu sichern.“
Aber die Welt, die man baut, ist eine,
in der der Krieg jederzeit bereitsteht wie ein durchgeplanter Notfall-OP.

Paul:
Ich stolpere über diese Zivilisations-Schizophrenie:
Auf der einen Seite diskutieren wir hierzulande, ob es noch vertretbar sei, Fleisch billig zu verkaufen, wie wir nachhaltiger leben können, wie wichtig psychische Gesundheit sei.
Auf der anderen Seite beschließen wir parallel eine Architektur, die langfristig immer mehr Geld in Waffen, Raketen, Führungs- und Waffeneinsatzsysteme lenkt.

Nietzsche:
Die Moderne ist sehr geschickt darin,
ihr Gewissen sektorweise aufzuteilen.
Im Sektor „Nachhaltigkeit“ will sie gut sein.
Im Sektor „Sozialpolitik“ will sie mitfühlend sein.
Im Sektor „Verteidigung“ nennt sie dasselbe Mitgefühl dann „Naivität“ und ehrt die Kälte als Klugheit.
Du hast nicht eine einzige Moral –
du hast Segmentmoral.

Paul:
Und währenddessen in Gaza:
Ein „Waffenstillstand“, bei dem Kinder weiter sterben.
Die Sprache wirkt wie ein Hohn.
Humanitäre Begriffe, die strategisch eingesetzt werden, damit das Ganze zivilisierter wirkt.

Nietzsche:
Das ist die Verfeinerung der Grausamkeit.
Früher hat man den Krieg mit archaischer Brutalität gefeiert: Fahnen, Trommeln, Paraden.
Heute spricht man von „Deeskalationszonen“, „Korridoren“, „gezielten Maßnahmen“,
während die Betroffenen in denselben Ruinen leben wie vor hundert Jahren – nur mit besserem Vokabular.
Man könnte sagen:
„Die Sprache wurde humanitärer,
die Wunde blieb dieselbe.“

Paul:
Was mich besonders beschäftigt, ist die Langfristigkeit.
NATO plant bis 2035, EU bis 2030 und darüber hinaus, Deutschland schafft Strukturen für schnellere Beschaffung.
Es ist, als würde man sagen:
„Wir rechnen fest damit, dass wir diese Kapazitäten brauchen werden.“

Nietzsche:
Natürlich.
Wer Milliarden in eine Fähigkeit investiert,
wird später ungern zugeben, dass sie überflüssig ist.
Aufrüstung ist nicht nur eine Reaktion auf Bedrohung,
sie wird selbst zur Ursache künftiger Bedrohung.
Du baust ein Theater,
das so teuer war, dass du dich gezwungen siehst,
das Stück auch aufzuführen.

Paul:
Und das kleine tote Kind in Gaza – stellvertretend für viele –,
das wird in den Berichten als Zahl geführt: „X Kinder seit Beginn des Waffenstillstands“.
Die Meldung passt in eine Zeile.
Die Haushaltszahlen für Rüstung füllen ganze Seiten.

Nietzsche:
Weil das tote Kind die Ordnung stört.
Es zerstört die Illusion,
dass all diese Strategien am Ende auf „Sicherheit“ hinauslaufen.
Die Budgetpläne beruhigen:
Sie zeigen, dass „jemand die Lage im Griff hat“.
Das Kind zeigt, dass niemand die Lage im Griff hat –
und dass der Preis des „Im-Griff-Habens“
auf sehr kleinen Körpern abgeladen wird.

Paul:
Als Arzt spüre ich da etwas sehr Körperliches:
Wir sprechen über abstrakte Risiken,
aber die Rechnung wird immer im Gewebe bezahlt –
in Lunge, Herz, Nervensystem, Traumata, Schlafstörungen, Entzündungen.

Nietzsche:
Der Körper ist der stille Zeuge aller Ideologien.
Egal, ob man es „ReArm Europe“, „Readiness 2030“ oder „Abschreckungsstrategie“ nennt –
am Ende entscheidet sich der Wahrheitsgehalt dieser Worte
in den Körpern derer, die nicht mit am Planungstisch saßen.

Paul:
Was kann ein Friedensbuch da leisten, ohne sich lächerlich zu machen?
Zwischen NATO-Gipfel, Milliardenprogrammen, geopolitischen Strategen
schreibe ich jeden Tag meine kleinen Protokolle – und habe das Gefühl, an einer gewaltigen Maschine zu kratzen.

Nietzsche:
Sei dir darüber im Klaren:
Du wirst die Maschine nicht aufhalten.
Aber du kannst etwas tun,
was die Maschine nicht kann:
Du kannst Zeugenschaft ablegen.
Die Maschine spricht von
„Prozent vom BIP“ und „Fähigkeitsprofilen“.
Du sprichst von
Kinderleibern, Angstschweiß, Albträumen, Sprachlosigkeit der Hinterbliebenen.
Die Maschine braucht Menschen, die vergessen.
Dein Friedensbuch ist eine Übung im Nicht-Vergessen.

Paul:
Also ist es wichtig, täglich beides zu zeigen:
die große strukturierte Logik der Aufrüstung
und die kleinen zerrissenen Biografien,
in denen diese Logik landet.

Nietzsche:
Ja.
Und noch etwas:
Du darfst nicht nur anklagen,
du musst auch Fragen stellen,
die im derzeitigen Diskurs als unzulässig gelten.
Zum Beispiel:
Gibt es eine Obergrenze, ab der Aufrüstung selbst zur Gefahr wird?
Wer definiert, was „Sicherheit“ ist – und wessen Sicherheit meinen wir damit?
Was würde passieren, wenn wir 5 % des BIP nicht in Waffen,
sondern in psychische Gesundheit, Bildung, Klimaschutz investieren würden –
wäre die Welt dann wirklich unsicherer?

Paul:
Das sind genau die Fragen, die ich in meinem Buch stellen will.
Nicht als naive Träume,
sondern als ernst gemeinte Alternativen zu einem Kurs,
der sich selbst für „realistisch“ hält.

Nietzsche:
Realismus, mein Freund,
ist oft nur der Name,
den die Gegenwart ihrer eigenen Feigheit gibt,
sich Zukunft anders vorzustellen.

Paul:
Dann könnte der heutige Satz des Tages lauten:
„Wir nennen es Sicherheitsarchitektur,
aber für viele Kinder bedeutet es nur,
dass ihr Tod bereits einkalkuliert ist.“

Nietzsche:
Schreib ihn auf.
Und füge leise hinzu:
„Dieses Buch ist der Versuch,
diesen Kalkulationen wenigstens ein Gesicht entgegenzustellen.“
Morgen wirst du neue Zahlen lesen.
Sorge dafür, dass sie nicht zu deiner neuen Normalität werden.