Friedensprotokolle

Willkommen auf unserem Blog, einem Raum für Gedanken und Analysen abseits des Mainstreams. Hier beleuchten wir die stillen Rüstungen Europas und das Leid in Konfliktregionen. Begleiten Sie uns auf einer Reise jenseits der Schlagzeilen, auf der wir den Irrsinn der Kriegsvorbereitung entlarven und nach Wegen des Friedens suchen.

Friedensprotokolle 

Hier finden Sie aktuelle Friedensprotokolle zu den Ereignissen rund um Krieg und Frieden,

ein fiktiver philosophischer Dialog zwischen Arzt und Nietzsche,

Wehrdienst ohne Friedensdienst

Friedensprotokoll, 05.12.25„Nietzsche im Alltag“ – Folge:  Wehrdienst ohne FriedenssatKriegs-Meldungen des Tages – 05.12.25Aus den heutigen Meldungen ergibt sich in etwa folgendes Bild: 

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Nietzsche im Alltag – „Friedenspläne ohne Frieden“

Kriegs-Meldungen des Tages 27.11.25

Aus den aktuellen Berichten zum Ukraine-Krieg ergibt sich grob folgendes Bild:

  • Moskau:
    Die russische Führung signalisiert grundsätzlich Gesprächsbereitschaft, knüpft diese aber an harte Bedingungen: Anerkennung der bereits besetzten Gebiete, Abzug ukrainischer Truppen aus weiteren Regionen, Sicherheitsgarantien für Russland. Die Botschaft: Verhandlungen ja – aber nur auf Basis eines faktischen russischen Gebietszuwachses.

  • Kiew und westliche Hauptstädte:
    Die ukrainische Regierung lehnt Gebietsabtretungen ab und fordert langfristige Sicherheitsgarantien und massive Militärhilfe. In Berlin und anderen europäischen Hauptstädten ist von „Standfestigkeit“, „Kriegsfähigkeit“ und „dauerhafter militärischer Unterstützung“ die Rede. Das Wort „Frieden“ kommt meist nur als Etikett vor – im Vordergrund steht die Forderung, dass die Ukraine auf Dauer eine große, schlagkräftige Armee behalten müsse.

  • Washington und Brüssel:
    Es kursieren verschiedene Papierentwürfe für einen möglichen „Friedensplan“ oder eine „Konferenz“, doch fast alle sind an Bedingungen geknüpft, die die eigene Machtposition absichern sollen. Von echter Abrüstung oder einer Abkehr von der militärischen Logik ist kaum die Rede.

Kurz gesagt:
Alle benutzen das Wort „Frieden“, aber fast alle reden in erster Linie über Truppenstärken, Waffenlieferungen und rote Linien.

Szene

Früher Morgen in der Praxis.

Der PC summt, die Kaffeemaschine knackt, draußen ist es noch halbdunkel.
Paul scrollt durch die Nachrichten:

„Russland signalisiert Gesprächsbereitschaft – unter Bedingungen.“
„Regierung in Berlin: Ukraine muss kriegsfähig bleiben.“
„Westliche Staaten diskutieren über Sicherheitsgarantien und weitere Waffenpakete.“

Er liest diese Sätze, und es fällt ihm auf:
Das Wort „Frieden“ taucht auf –
aber niemand spricht davon, wie man aus der Logik des Krieges überhaupt herauskommen will.

Er lehnt sich im Stuhl zurück.
In diesem Moment sitzt Nietzsche schon auf dem Stuhl gegenüber,
Mantel offen, Hände ineinandergelegt,
als würde er einem etwas zu nüchternen Therapieplan zuhören.


 Dialog – „Friedensplan als Fortsetzung des Krieges“

Paul:
Friedrich, ich habe das Gefühl, hier wird ein Wort missbraucht.
Überall steht „Friedensplan“, „Konferenz“, „historische Chance“.

Aber wenn ich genauer lese,
geht es fast nur darum,
wer was behalten darf,
wer wie viele Soldaten haben soll,
welche Seite als Sieger dasteht.

Der Kanzler hier redet nicht von Frieden –
er redet von Durchhalten, Aufrüstung, Kriegsfähigkeit.
Für mich ist er damit Teil des Problems, nicht der Lösung.

Nietzsche:
Du siehst richtig.

Was man dir als „Friedensplan“ verkauft,
ist häufig nur ein neuer Bauplan
für denselben alten Bau:
Blockkonfrontation, Abschreckung, Machtgleichgewicht.

„Frieden“ ist dann ein Etikett,
keine neue Denkweise.

Paul:
Ich lese:
– keine Gebietsabtretungen,
– keine Schwächung der Armee,
– mehr Waffen,
– mehr Geld für Abschreckung.

Und gleichzeitig:
„Wir wollen Frieden.“

Das ist, als würde ich einem Patienten mit schwerer Entzündung sagen:
„Wir wollen Heilung –
aber wir müssen den Reiz unbedingt beibehalten,
am besten sogar verstärken.“

Nietzsche:
Schönes Bild aus deiner Praxis.

Die Logik der Herrschenden lautet:

„Wir beenden diesen Krieg so,
dass wir beim nächsten besser dastehen.“

Das ist kein Frieden,
sondern strategische Pause.

Paul:
Und es wird so getan,
als sei jede Infragestellung dieser Linie naiv oder gefährlich:
Wer Abrüstung, neutrale Zonen oder echte Entmilitarisierung ins Spiel bringt,
gilt schnell als weltfremd oder „auf der falschen Seite“.

Nietzsche:
Weil dein Zeitalter Krieg als Normalzustand akzeptiert hat.

Er heißt nur anders:
„Sicherheitsarchitektur“, „Verteidigungsbereitschaft“, „Abschreckung“.

Das ist, als würde man sagen:
„Wir leben in einem Brandhaus,
aber die Flammen sind gut gemanagt –
also ist alles in Ordnung.“

Paul:
Was mich wütend macht:
Niemand in Regierungsverantwortung hier sagt offen:
„Wir haben auch unseren Anteil daran,
dass es so weit gekommen ist –
und wir sind bereit, an unserer Rolle etwas zu ändern.“

Stattdessen:
„Die anderen sind das Problem,
wir sind die Antwort.“

Nietzsche:
Selbstkritik ist selten Teil der Staatsräson.
Aber sie ist Voraussetzung für echten Frieden.

Solange jede Seite nur ruft:
„Der andere muss sich ändern,
damit Frieden möglich ist“,
bleibt alles beim Alten.

Paul:
Also bleibt mir nur,
mich innerlich von dieser Art „Friedenssprache“ zu distanzieren.

Ich kann sagen:
Ja, ein Waffenstillstand wäre ein Fortschritt.
Ja, weniger Beschuss wäre ein Fortschritt.

Aber ich lasse mir nicht einreden,
dass ein eingefrorener Konflikt mit Daueraufrüstung
schon Frieden ist.

Nietzsche:
Das ist bereits ein klarer Standpunkt.

Du könntest es so formulieren:

„Für mich beginnt Frieden erst dort,
wo die Bereitschaft wächst,
weniger auf militärische Stärke zu setzen –
nicht dort, wo man sie nur neu verteilt.“

Alles andere mag politisch notwendig genannt werden,
aber nenn es nicht Frieden.

Paul (nickt):
Dann ist mein Satz des Tages vielleicht:
„Ich verwechsele nicht mehr:
Vertrag mit Frieden,
Waffenpause mit Heilung,
Aufrüstung mit Sicherheit.“

Nietzsche:
Damit bist du im Denken weiter
als viele, die an den Konferenztischen sitzen.

Vielleicht kannst du diesen Unterschied
in deiner Praxis, in deinen Gesprächen,
in deinem Schreiben lebendig halten.


4. Friedenssatz des Tages

„Ich nenne nur das Frieden, was die Logik des Krieges schwächt – nicht, was sie verwaltet.“


5. Kleine Friedenspraxis – „Mein Maßstab für Frieden“

  1. Kurz innehalten – sitzen oder stehen, Füße bewusst auf dem Boden.

  2. Einen aktuellen Satz aus den Nachrichten innerlich zitieren, z. B.:
    „Die Regierung arbeitet an einem Friedensplan.“

  3. Dann dir selbst leise die Frage stellen:
    „Meinen die Frieden – oder nur eine neue Form von Kontrolle und Aufrüstung?“

  4. Einen tiefen Atemzug nehmen, beim Ausatmen denken:
    „Ich darf einen anderen Maßstab für Frieden haben als die Regierenden.“

  5. Am Ende einen konkreten Satz finden, der für dich heute gilt, z. B.:
    „Ich unterstütze Frieden nicht durch Parolen,
    sondern durch klare Distanz zur Logik des Krieges – auch im Denken.“

Medien- Wer kontrolliert die Wirklichkeitsproduktion?

Wer kontrolliert die Wirklichkeitsproduktion?

Wenn aus Nachrichten Fronten werden

Kurznews: Am 16. Dezember 2025 meldeten Reuters und AP, dass Donald Trump die BBC auf 10 Milliarden US-Dollar verklagt. Anlass ist eine Panorama-Doku; Trump wirft der BBC eine irreführende Montage seiner Rede vom 6. Januar 2021 vor. Die BBC sprach von einem „error of judgment“ und will sich juristisch verteidigen.

Welche Fragen müssen wir uns bei der aktuellen Kriegsberichterstattung stellen?
Wie „real“ ist das, was wir sehen – und wie viel ist bereits inszenierte Wirklichkeit? Wer setzt die Deutungsrahmen: Begriffe, Bilder, Opferzahlen, Schuldzuweisungen, „rote Linien“? Welche Perspektiven kommen vor – welche verschwinden? Und wessen Interessen werden dadurch gestärkt, lange bevor wir es merken?

Der Fall „Trump vs. BBC“ ist dafür nur ein Beispiel: Er zeigt, dass Deutung nicht erst im Kommentar entsteht, sondern bereits in der Bearbeitung. Der Schnitt ist nicht bloß Technik. Er ist Entscheidung. Und Entscheidungen formen Wirklichkeit.

Paul und Nietzsche

Paul: Friedrich, wenn ich die aktuelle Kriegsberichterstattung sehe, frage ich mich: Wie viel davon ist Beschreibung – und wie viel ist bereits Deutung?
Nietzsche: Beschreibung ist ein Mythos, Paul. Es gibt nur Perspektive. Die Frage ist nicht, ob gedeutet wird, sondern werdeutet und wessen Deutung sich durchsetzt.
Paul: Dann kämpfen in Kriegen nicht nur Armeen, sondern auch Erzählungen.
Nietzsche: Immer. Die Schlacht um das Gelände ist sichtbar. Die Schlacht um die Bedeutung entscheidet länger. Wer die Worte kontrolliert, kontrolliert, was denkbar ist.
Paul: Und wir halten das, was wir sehen, für Wirklichkeit.
Nietzsche: Weil Bilder Gehorsam verlangen. Sie umgehen den Zweifel. Ein Bild sagt nicht: „Denke.“ Es sagt: „Fühle.“ Und Gefühl ist schneller als Urteil.
Paul: Was bleibt uns dann?
Nietzsche: Langsamkeit. Misstrauen gegen Eindeutigkeit. Die Bereitschaft, Lücken zu sehen: das, was fehlt, sagt oft mehr als das, was gesendet wird.
Paul: Also nicht sofort Position beziehen?
Nietzsche: Positionen sind bequem. Denken ist anstrengend. Wer Wirklichkeit prüfen will, muss den Mut haben, zwischen den Lagern zu stehen.
Paul: Dann ist der kritischste Akt heute kein Protest, sondern ein Innehalten.
Nietzsche: Genau. Denn wer die Deutung nicht sofort übernimmt, entzieht ihr Macht.

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Wehrdienst ohne Friedensdienst

Friedensprotokoll, 05.12.25

„Nietzsche im Alltag“ – Folge:  Wehrdienst ohne Friedenssat

Kriegs-Meldungen des Tages – 05.12.25

Aus den heutigen Meldungen ergibt sich in etwa folgendes Bild: 


Deutschland – Wehrdienstgesetz
Der Bundestag beschließt das neue Wehrdienstmodell:
verpflichtende Erfassung eines Jahrgangs, Ausbau der Reserven, Ziel: „wehrhafte Republik“ bis 2035.
Begründung: „Zeitenwende“, „Bündnisfähigkeit“, „Sicherheit in Europa“.
Europa – Druck nach innen
Aus Brüssel und mehreren Hauptstädten kommen scharfe Worte gegen Mitgliedsstaaten, die als „unsolidarisch“ oder „illiberal“ gelten.
Im Vordergrund stehen „Kante“, „Konsequenzen“, „Werteverteidigung“ – nicht die Frage nach einer gemeinsamen Friedensstrategie.
Ukraine – Krieg vorne, Korruption hinten
In den Schlagzeilen: Frontverläufe, neue Waffenpakete, Milliardenhilfen.
Hinweise auf anhaltende Korruptionsprobleme in Kiew tauchen eher in Hintergrundberichten und Randspalten auf, ohne dass sie die politische Linie sichtbar verändern.
Symbolische Friedensgesten
Gleichzeitig werden auf internationalen Bühnen Preise und Auszeichnungen vergeben, bei denen „Frieden“ groß im Titel steht – medial hier nur Kritik.

Gemeinsam ist diesen Meldungen:
Es wird umfassend über Kriegsvorbereitung, Wehrhaftigkeit und Sanktionen gesprochen – 
ein klar formulierter europäischer Friedensplan taucht in den Hauptnachrichten nicht auf.

Szene

Später Abend in der Praxis.
Die Tür ist abgeschlossen, das Wartezimmer dunkel.
Nur im Arztzimmer leuchtet noch der Bildschirm, der Nachrichtenticker läuft stumm.

Paul sitzt im Drehstuhl, das Jackett über der Lehne.
Die Schlagworte des Tages ziehen noch einmal an seinem inneren Auge vorbei:

Wehrdienstgesetz.
Musterung. 

„Kante zeigen“ gegen Ungarn. 

Neues Paket für die Ukraine.  Ein Preis, in dessen Titel das Wort „Frieden“ nicht vorkommt – ohne erkennbaren Weg dorthin.

Er merkt, dass ihn nicht eine einzelne Meldung erschöpft,
sondern die Summe des Tons:
Überall wird organisiert, verstärkt, gesichert, bestraft –
aber niemand spricht aus, wie Europa sich den Ausgang aus diesem Zustand vorstellt.

Paul schaltet den Ton aus.
Auf dem schwarzen Bildschirm spiegelt sich die Praxis – und auf dem Besucherstuhl eine Gestalt, an die er sich inzwischen gewöhnt hat.

Nietzsche sitzt da, der Mantel locker, der Blick ruhig, aber wach – als hätte er den ganzen Abend über zugehört.

Dialog – „Wehrdienst ohne Friedenssatz“

Paul:
Friedrich, heute haben sie das Wehrdienstgesetz beschlossen.
Alle reden von „Notwendigkeit“, „Zeitenwende“, „Verantwortung“.

Dann die EU:
harte Worte gegen Ungarn, Druck nach innen, Überzeugung nach außen.
In der Ukraine weiter Krieg, weiter Waffen, weiter Geld –
Korruption nur als Fußnote.
Und irgendwo dazwischen wieder ein Preis mit „Frieden“ im Namen.

Ich frage mich:
Wie kann man so viel reden – und so wenig über den Frieden sagen?

Nietzsche:
Du meinst nicht Peace-Rhetorik, sondern einen einfachen Satz wie:

„Unser Ziel ist, dass weniger Menschen sterben – und wir sagen, wie wir dahin kommen.“

Paul:
Genau.
Stattdessen höre ich:
Wir müssen wehrhaft sein.
Wir dürfen keine Schwäche zeigen.
Wir müssen klare Kante zeigen.

Alles mag in sich logisch sein –
aber es ist, als wäre der Friedensgedanke nur noch eine Dekoration.
Wenn „Frieden“ vorkommt, dann als Begründung für Aufrüstung,
nicht als eigener Horizont.

Nietzsche:
Du beschreibst eine Sprachverschiebung:

Früher:
„Wir rüsten, um den Frieden zu sichern.“

Heute:
„Wir rüsten – Punkt.“
Der Frieden wird vorausgesetzt, aber nicht mehr gedacht.

Paul:
Und dann die Ukraine:
Jeder weiß, dass Korruption ein Problem ist.  Aber im öffentlichen Bild darf es nicht stören. Die Erzählung muss sauber bleiben.

Ich soll an „unsere Werte“ glauben – aber bitte nicht so genau hinschauen,  wo Geld, Waffen und Macht wirklich landen.

Nietzsche:
Das ist der Punkt,
an dem ein freier Geist nervös wird:
Wenn das Mitdenken unerwünscht ist.

Du willst sagen können:
Ja, Russland hat diesen Angriffskrieg begonnen.
Ja, die Ukraine hat ein Recht auf Selbstverteidigung.
Und trotzdem:
Korruption, Machtmissbrauch und Kriegsprofit sind auch dort ein Thema – und dürfen benannt werden, ohne dass du sofort in ein Lager gesteckt wirst.

Paul:
Ich will beides:
Klar sehen, wer den Krieg begonnen hat – und trotzdem nicht blind werden für Schatten auf allen Seiten.

Und ich will sagen dürfen:
Wehrdienst, Aufrüstung, Sanktionen – alles kann man diskutieren. Aber irgendwo muss doch ein Friedenssatz stehen.

Nietzsche:
Vielleicht ist das dein Auftrag, Arzt:
Nicht der große Plan, sondern der eine Satz, den du nicht preisgibst.

Paul (nachdenklich):
Also so etwas wie: „Kein Gesetz, keine Strategie, ist für mich vollständig, wenn sie den Frieden nicht als Ziel ausspricht.“

Nietzsche: 
Das wäre ein guter Anfang.

Denn so lange niemand diesen Maßstab formuliert,  wird jeder Schritt der Militarisierung 

Du musst nicht die Welt retten. Aber du kannst festhalten:
„Ich lasse mir nicht abgewöhnen, nach dem Frieden zu fragen – auch dann nicht, wenn alle vom Wehrdienst sprechen.“

Friedenssatz der Folge
„Ich akzeptiere kein Wehrdienst- und Sicherheitskonzept, das den Frieden nicht klar als Ziel benennt.“


5. Kleine Friedenspraxis (1 Minute) – „Friedenssatz statt Ohnmacht“
1. Hinstellen oder hinsetzen und Füße bewusst auf dem Boden spüren.
Einmal Schultern hochziehen – langsam wieder sinken lassen.
2. Eine Nachricht des Tages innerlich aufrufen
Wehrdienst, Sanktionen, Waffenpaket – nur als Stichwort, ohne Details.
3. Leise dazu sagen:
„Ich nehme das zur Kenntnis – aber ich habe das Recht, nach dem Frieden zu fragen.“
4. Eigenen Friedenssatz formulieren
Zum Beispiel:
„Ich will, dass weniger Menschen sterben – daran messe ich Politik.“
Diesen Satz einmal innerlich wiederholen.
5. Drei ruhige Atemzüge
Einatmen durch die Nase, langsam ausatmen durch den Mund.
Beim Ausatmen:
„Mein Denken gehört nicht der Kriegslogik.“
6. Blick heben
Einen realen Gegenstand im Raum anschauen  (Tasse, Fenster, Stuhl) und spüren:
Ich bin hier.
Ich darf klar sehen – und meinen Friedensgedanken behalten.

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Nietzsche im Alltag

Nietzsche im Alltag – Zahlen ohne Lagerdenken  24.11.25
Autor: Paul Schulze


1. Kriegs-Meldungen des Tages

Aus den heutigen Agenturberichten ergibt sich in etwa folgendes Bild:

In der Ukraine wird von neuen zivilen Opfern berichtet:
In der Westukraine (Ternopil) sprechen ukrainische Stellen von Dutzenden Toten und vielen Verletzten nach einem Raketenangriff auf ein Wohnhaus. Internationale Agenturen greifen diese Angaben auf und ordnen sie als einen der schwersten Angriffe auf zivile Ziele in diesem Jahr ein.

Gleichzeitig melden russische Behörden zivile Opfer durch ukrainische Angriffe auf russische Grenz- und Frontregionen, mit dem Hinweis, dass regelmäßig Menschen in diesen Gebieten getötet oder verletzt werden.

Gemeinsam ist allen Meldungen:
Sie berichten von zivilen Opfern auf beiden Seiten der Front, jeweils aus der eigenen Perspektive, jeweils zur Begründung der eigenen Bedrohungslage.


2. Szene

Früher Morgen in der Praxis.
Der Computer läuft, der erste Patient ist noch nicht da.

Auf dem Bildschirm: eine Nachrichtenseite. Im Text wird unterschieden nach „ukrainischen Angaben“, „russischen Angaben“, „westlichen Agenturen“ – am Ende aber steht in beiden Fällen dasselbe Wort: „zivile Opfer“.

Paul scrollt langsam nach unten, dann wieder nach oben.
Er merkt, wie ihn nicht eine einzelne Zahl schockiert, sondern dieses Gefühl von Dauer – als wäre das inzwischen bloß der „übliche Stand der Dinge“.

Er atmet aus, lehnt sich zurück.
Auf dem Stuhl gegenüber sitzt Nietzsche – nicht kämpferisch, eher aufmerksam, wie jemand, der schon weiß, dass die eigentliche Frage noch nicht gestellt ist.


3. Dialog – „Zahlen ohne Fahne“

Paul:
Friedrich, wenn ich das so lese, ist es fast egal, welche Agentur zitiert wird:
hier zivile Opfer in der Ukraine, dort zivile Opfer in russischen Grenzregionen.

Die Formulierungen unterscheiden sich, aber das Muster ist gleich:
„Unsere Menschen sterben – also ist unsere Seite im Recht.“

Nietzsche:
Der Krieg erzählt sich selbst immer mit demselben Vokabular: Bedrohung, Notwehr, Vergeltung.

Die Agenturen wechseln, die Grammatik bleibt.

Paul:
Und ich merke, wie leicht man hineingezogen wird.
Wenn ich nur die westlichen Meldungen lese, sehe ich vor allem russische Aggression.
Wenn ich nur russische Quellen lese, sehe ich vor allem ukrainische Angriffe.

Nimmst du beides zusammen, bleibt:
Auf beiden Seiten trifft Gewalt Menschen, die keine Generäle sind.

Nietzsche:
Genau das ist der Punkt, an dem ein friedensfähiger Blick entsteht:

Du erkennst:
„Die Lager sind verschieden, die Logik des Tötens ist dieselbe.“

Ohne zu verharmlosen, wer angefangen hat, ohne Täter und Strukturen zu verwischen –
aber auch ohne dein Mitgefühl an eine Fahne zu binden.

Paul:
Ich will genau das: Ich will Ukraine, Russland, Westen kritisieren können, ohne in eins der Lager hineinzurutschen.

Ich will sehen, dass Korruption, Machtinteressen, Propaganda auf allen Seiten existieren –
und trotzdem sagen: Jedes zivile Opfer ist eines zu viel, egal auf welchem Gebiet es liegt.

Nietzsche:
Dann ist es wichtig, dass du dich nicht von der Bildsprache in eine Richtung schieben lässt.

Man wird dir immer die stärksten Motive zeigen: explosive Schlagzeilen, dramatische Fotoausschnitte, symbolische Orte.

Ein freier Geist fragt:
„Was ist die Struktur dahinter, jenseits der Kulisse?“

Paul:
Also analytisch bleiben, ohne kalt zu werden.

Fakten sehen: Rakete hier, Artillerie da, Entscheidungen in Hauptstädten, Opfer in Dörfern und Städten.

Aber nicht mehr dieses Spiel:
„Unsere Zivilisten zählen, die anderen sind Kollateralschaden.“

Nietzsche:
Das könnte dein innerer Schwur sein:

„Ich lasse mir nicht vorschreiben, wessen Leid ich ernst nehmen darf – und ich lasse mir mein Mitgefühl nicht als Waffe aus der Hand nehmen.“

Damit nimmst du weder Russland noch der Ukraine noch dem Westen ihre Verantwortung ab –
aber du verweigerst, dass dein Herz Teil der Kriegslogik wird.

Paul (leise):
Dann ist mein heutiger Satz vielleicht:
„Ich nehme zivile Opfer beider Seiten zur Kenntnis, ohne daraus Munition für ein Lieblingslager zu machen.“

Nietzsche:
Das ist eine nüchterne, aber sehr entschiedene Form von Frieden im Denken.


4. Friedenssatz des Tages

„Ich nehme zivile Opfer auf allen Seiten ernst – ohne sie zur Munition für mein Lager zu machen.“


5. Kleine Friedenspraxis – „Fakten rein, Fan-Filter raus“

  1. Hinstellen oder hinsetzen, Füße bewusst spüren.

  2. Innerlich zwei Sätze sprechen:
    – „Es gibt zivile Opfer in der Ukraine.“
    – „Es gibt zivile Opfer in russischen Regionen.“
    Nur sachlich, ohne Kommentar.

  3. Dann leise hinzufügen:
    „Ich muss kein Fan eines Kriegs-Lagers werden, um jedes Leid ernst zu nehmen.“

  4. Drei ruhige Atemzüge: ein durch die Nase, länger aus durch den Mund.
    Beim Ausatmen: „Mein Nervensystem lässt sich nicht zum Schlachtfeld machen.“

  5. Zum Schluss einen Punkt im Raum anschauen (Tasse, Fensterrahmen, Stuhl) und kurz spüren:
    „Ich bin hier, jetzt, lebendig – und ich darf klar sehen, ohne mich vereinnahmen zu lassen.“

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Friedensprotokoll, 23.11.25

„Nietzsche im Alltag“ – Folge: Zahlen ohne Lagerdenken


Kriegs-Meldungen des Tages – 23.11.25

Aus den heutigen Agenturberichten ergibt sich in etwa folgendes Bild:

  • In der Ukraine wird von neuen zivilen Opfern berichtet:
    – In der Westukraine (Ternopil) sprechen ukrainische Stellen von Dutzenden Toten und vielen Verletzten nach einem Raketenangriff auf ein Wohnhaus.
    – Internationale Agenturen greifen diese Angaben auf und ordnen sie als einen der schwersten Angriffe auf zivile Ziele in diesem Jahr ein.

  • Gleichzeitig melden russische Behörden
    – zivile Opfer durch ukrainische Angriffe auf russische Grenz- und Frontregionen,
    – mit dem Hinweis, dass regelmäßig Menschen in diesen Gebieten getötet oder verletzt werden.

Gemeinsam ist allen Meldungen:
Sie berichten von zivilen Opfern auf beiden Seiten der Front, jeweils aus der eigenen Perspektive, jeweils zur Begründung der eigenen Bedrohungslage.


2. Szene

Früher Morgen in der Praxis.
Der Computer läuft, der erste Patient ist noch nicht da.

Auf dem Bildschirm: eine Nachrichtenseite.
Im Text wird unterschieden nach „ukrainischen Angaben“, „russischen Angaben“, „westlichen Agenturen“ – am Ende aber steht in beiden Fällen dasselbe Wort:
„Zivile Opfer“.

Paul scrollt langsam nach unten, dann wieder nach oben.
Er merkt, wie ihn nicht eine Zahl schockiert,
sondern dieses Gefühl von Dauer –
als wäre das inzwischen bloß der „übliche Stand der Dinge“.

Er atmet aus, lehnt sich zurück.
Auf dem Stuhl gegenüber sitzt Nietzsche –
nicht kämpferisch, eher aufmerksam, wie jemand, der schon weiß, dass die eigentliche Frage noch nicht gestellt ist.


3. Dialog – „Zahlen ohne Fahne“

Paul:
Friedrich, wenn ich das so lese,
ist es fast egal, welche Agentur zitiert wird:
hier zivile Opfer in der Ukraine,
dort zivile Opfer in russischen Grenzregionen.

Die Formulierungen unterscheiden sich,
aber das Muster ist gleich:

„Unsere Menschen sterben –
also ist unsere Seite im Recht.“

Nietzsche:
Der Krieg erzählt sich selbst
immer mit demselben Vokabular:
Bedrohung, Notwehr, Vergeltung.

Die Agenturen wechseln,
die Grammatik bleibt.

Paul:
Und ich merke, wie leicht man hineingezogen wird.
Wenn ich nur die westlichen Meldungen lese,
sehe ich vor allem russische Aggression.
Wenn ich nur russische Quellen lese,
sehe ich vor allem ukrainische Angriffe.

Nimmst du beides zusammen,
bleibt:
Auf beiden Seiten trifft Gewalt Menschen,
die keine Generäle sind.

Nietzsche:
Genau das ist der Punkt,
an dem ein friedensfähiger Blick entsteht:

Du erkennst:

„Die Lager sind verschieden,
die Logik des Tötens ist dieselbe.“

Ohne zu verharmlosen, wer angefangen hat,
ohne Täter und Strukturen zu verwischen –
aber auch ohne dein Mitgefühl an eine Fahne zu binden.

Paul:
Ich will genau das:
Ich will Ukraine, Russland, Westen kritisieren können,
ohne in eins der Lager hineinzurutschen.

Ich will sehen,
dass Korruption, Machtinteressen, Propaganda auf allen Seiten existieren –
und trotzdem sagen:
Jedes zivile Opfer ist eines zu viel,
egal auf welchem Gebiet es liegt.

Nietzsche:
Dann ist es wichtig,
dass du dich nicht von der Rhetorik der Bilder
in eine Richtung schieben lässt.

Man wird dir immer zeigen,
was deine Emotionen maximal triggert:
hier Kinder, dort Tiere,
dort zerstörte Kirchen,
hier gefallene Helden.

Ein freier Geist fragt:

„Was ist die Struktur dahinter,
jenseits der Kulisse?“

Paul:
Also analytisch bleiben,
ohne kalt zu werden.

Fakten sehen:
Rakete hier, Artillerie da,
Entscheidungen in Hauptstädten,
Opfer in Dörfern und Städten.

Aber nicht mehr dieses Spiel:
„Unsere Zivilisten zählen,
die anderen sind Kollateralschaden.“

Nietzsche:
Das könnte dein innerer Schwur sein:

„Ich lasse mir nicht vorschreiben,
wessen Leid ich ernst nehmen darf –
und ich lasse mir mein Mitgefühl
nicht als Waffe aus der Hand nehmen.“

Damit nimmst du weder Russland noch der Ukraine
noch dem Westen ihre Verantwortung ab –
aber du verweigerst,
dass dein Herz Teil der Kriegslogik wird.

Paul (leise):
Dann ist mein heutiger Satz vielleicht:
„Ich nehme zivile Opfer beider Seiten zur Kenntnis,
ohne daraus Munition für ein Lieblingslager zu machen.“

Nietzsche:
Das ist eine nüchterne,
aber sehr entschiedene Form von Frieden im Denken.


4. Friedenssatz der Folge

„Ich nehme zivile Opfer auf allen Seiten ernst – ohne sie zur Munition für mein Lager zu machen.“


5. Kleine Friedenspraxis (1 Minute) – „Fakten rein, Fan-Filter raus“

  1. Hinstellen oder hinsetzen
    – Füße bewusst spüren,
    – Schultern einmal hochziehen und fallen lassen.

  2. Gedankenschritt 1 – Anerkennen
    Leise, innerlich:

    „Es gibt zivile Opfer in der Ukraine.“
    „Es gibt zivile Opfer in russischen Regionen.“

    Nur diese beiden Sätze.
    Kein Kommentar.

  3. Gedankenschritt 2 – Entkoppeln
    Dann:

    „Ich muss kein Fan eines Kriegs-Lagers werden,
    um jedes Leid ernst zu nehmen.“

  4. Drei Atemzüge
    Ein durch die Nase,
    länger aus durch den Mund.
    Beim Ausatmen innerlich:

    „Mein Nervensystem lässt sich nicht zum Schlachtfeld machen.“

  5. Rückkehr
    Blick kurz durch den Raum,
    irgendeinen realen Gegenstand fixieren (Tasse, Fensterrahmen, Stuhl).
    Spüren:
    Ich bin hier, jetzt, lebendig –
    und ich darf klar sehen, ohne mich vereinnahmen zu lassen.


 

Begleiten Sie uns, während wir gemeinsam wachsen und erfolgreich sind. Wir freuen uns, dass Sie hier sind, um Teil unserer Geschichte zu sein.

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Nietzsche im Alltag – Friedensprotokoll, 21.11.25

Die stille Rüstung Europas und das verletzte Kind in Gaza. Einblicke und Analysen für politisch Interessierte, die dem Mainstream misstrauen. Begleiten Sie uns auf der Suche nach Frieden und der Aufdeckung von Kriegstreiberei.

II. Gespräch zwischen Paul und Nietzsche

"Wie man den Krieg hübsch verpackt"

Paul:
Heute habe ich zwei Bilder im Kopf, die nicht zusammenpassen wollen.
Das eine: das Baby aus Gaza, von dem UNICEF berichtet, gestorben während eines „Waffenstillstands“.
Das andere: PDF-Seiten aus Brüssel und Berlin, auf denen fein säuberlich steht, wie wir bis 2035 auf 5 % BIP für Verteidigung kommen.
Zwischen diesen beiden Bildern spannt sich für mich der „Irrsinn der Kriegsvorbereitung“ auf.

Nietzsche:
Du siehst die Front und die Buchhaltung derselben Katastrophe.
Das tote Kind ist die nackte Wahrheit des Krieges.
Die Budgetzahlen sind die höfliche Maske des Krieges.
Man sagt dir:
„Wir rüsten auf, um den Frieden zu sichern.“
Aber die Welt, die man baut, ist eine,
in der der Krieg jederzeit bereitsteht wie ein durchgeplanter Notfall-OP.

Paul:
Ich stolpere über diese Zivilisations-Schizophrenie:
Auf der einen Seite diskutieren wir hierzulande, ob es noch vertretbar sei, Fleisch billig zu verkaufen, wie wir nachhaltiger leben können, wie wichtig psychische Gesundheit sei.
Auf der anderen Seite beschließen wir parallel eine Architektur, die langfristig immer mehr Geld in Waffen, Raketen, Führungs- und Waffeneinsatzsysteme lenkt.

Nietzsche:
Die Moderne ist sehr geschickt darin,
ihr Gewissen sektorweise aufzuteilen.
Im Sektor „Nachhaltigkeit“ will sie gut sein.
Im Sektor „Sozialpolitik“ will sie mitfühlend sein.
Im Sektor „Verteidigung“ nennt sie dasselbe Mitgefühl dann „Naivität“ und ehrt die Kälte als Klugheit.
Du hast nicht eine einzige Moral –
du hast Segmentmoral.

Paul:
Und währenddessen in Gaza:
Ein „Waffenstillstand“, bei dem Kinder weiter sterben.
Die Sprache wirkt wie ein Hohn.
Humanitäre Begriffe, die strategisch eingesetzt werden, damit das Ganze zivilisierter wirkt.

Nietzsche:
Das ist die Verfeinerung der Grausamkeit.
Früher hat man den Krieg mit archaischer Brutalität gefeiert: Fahnen, Trommeln, Paraden.
Heute spricht man von „Deeskalationszonen“, „Korridoren“, „gezielten Maßnahmen“,
während die Betroffenen in denselben Ruinen leben wie vor hundert Jahren – nur mit besserem Vokabular.
Man könnte sagen:
„Die Sprache wurde humanitärer,
die Wunde blieb dieselbe.“

Paul:
Was mich besonders beschäftigt, ist die Langfristigkeit.
NATO plant bis 2035, EU bis 2030 und darüber hinaus, Deutschland schafft Strukturen für schnellere Beschaffung.
Es ist, als würde man sagen:
„Wir rechnen fest damit, dass wir diese Kapazitäten brauchen werden.“

Nietzsche:
Natürlich.
Wer Milliarden in eine Fähigkeit investiert,
wird später ungern zugeben, dass sie überflüssig ist.
Aufrüstung ist nicht nur eine Reaktion auf Bedrohung,
sie wird selbst zur Ursache künftiger Bedrohung.
Du baust ein Theater,
das so teuer war, dass du dich gezwungen siehst,
das Stück auch aufzuführen.

Paul:
Und das kleine tote Kind in Gaza – stellvertretend für viele –,
das wird in den Berichten als Zahl geführt: „X Kinder seit Beginn des Waffenstillstands“.
Die Meldung passt in eine Zeile.
Die Haushaltszahlen für Rüstung füllen ganze Seiten.

Nietzsche:
Weil das tote Kind die Ordnung stört.
Es zerstört die Illusion,
dass all diese Strategien am Ende auf „Sicherheit“ hinauslaufen.
Die Budgetpläne beruhigen:
Sie zeigen, dass „jemand die Lage im Griff hat“.
Das Kind zeigt, dass niemand die Lage im Griff hat –
und dass der Preis des „Im-Griff-Habens“
auf sehr kleinen Körpern abgeladen wird.

Paul:
Als Arzt spüre ich da etwas sehr Körperliches:
Wir sprechen über abstrakte Risiken,
aber die Rechnung wird immer im Gewebe bezahlt –
in Lunge, Herz, Nervensystem, Traumata, Schlafstörungen, Entzündungen.

Nietzsche:
Der Körper ist der stille Zeuge aller Ideologien.
Egal, ob man es „ReArm Europe“, „Readiness 2030“ oder „Abschreckungsstrategie“ nennt –
am Ende entscheidet sich der Wahrheitsgehalt dieser Worte
in den Körpern derer, die nicht mit am Planungstisch saßen.

Paul:
Was kann ein Friedensbuch da leisten, ohne sich lächerlich zu machen?
Zwischen NATO-Gipfel, Milliardenprogrammen, geopolitischen Strategen
schreibe ich jeden Tag meine kleinen Protokolle – und habe das Gefühl, an einer gewaltigen Maschine zu kratzen.

Nietzsche:
Sei dir darüber im Klaren:
Du wirst die Maschine nicht aufhalten.
Aber du kannst etwas tun,
was die Maschine nicht kann:
Du kannst Zeugenschaft ablegen.
Die Maschine spricht von
„Prozent vom BIP“ und „Fähigkeitsprofilen“.
Du sprichst von
Kinderleibern, Angstschweiß, Albträumen, Sprachlosigkeit der Hinterbliebenen.
Die Maschine braucht Menschen, die vergessen.
Dein Friedensbuch ist eine Übung im Nicht-Vergessen.

Paul:
Also ist es wichtig, täglich beides zu zeigen:
die große strukturierte Logik der Aufrüstung
und die kleinen zerrissenen Biografien,
in denen diese Logik landet.

Nietzsche:
Ja.
Und noch etwas:
Du darfst nicht nur anklagen,
du musst auch Fragen stellen,
die im derzeitigen Diskurs als unzulässig gelten.
Zum Beispiel:
Gibt es eine Obergrenze, ab der Aufrüstung selbst zur Gefahr wird?
Wer definiert, was „Sicherheit“ ist – und wessen Sicherheit meinen wir damit?
Was würde passieren, wenn wir 5 % des BIP nicht in Waffen,
sondern in psychische Gesundheit, Bildung, Klimaschutz investieren würden –
wäre die Welt dann wirklich unsicherer?

Paul:
Das sind genau die Fragen, die ich in meinem Buch stellen will.
Nicht als naive Träume,
sondern als ernst gemeinte Alternativen zu einem Kurs,
der sich selbst für „realistisch“ hält.

Nietzsche:
Realismus, mein Freund,
ist oft nur der Name,
den die Gegenwart ihrer eigenen Feigheit gibt,
sich Zukunft anders vorzustellen.

Paul:
Dann könnte der heutige Satz des Tages lauten:
„Wir nennen es Sicherheitsarchitektur,
aber für viele Kinder bedeutet es nur,
dass ihr Tod bereits einkalkuliert ist.“

Nietzsche:
Schreib ihn auf.
Und füge leise hinzu:
„Dieses Buch ist der Versuch,
diesen Kalkulationen wenigstens ein Gesicht entgegenzustellen.“
Morgen wirst du neue Zahlen lesen.
Sorge dafür, dass sie nicht zu deiner neuen Normalität werden.